Beachtenswert(h)e Geschichte – archäologische Such-Grabungen auf dem Werth

Historisches Schaufenster Barmen

Ab dem 19. Dezember finden Sie im Schaufenster des im Aufbau befindlichen MUGEUMs, dem „Museum für Gesellschafts- und Umweltgeschichte Wuppertal“ auf dem Werth 91 eine kleine Ausstellung zu Umfang und Hintergründen der aktuellen archölogischen Untersuchungen auf dem Werth und zur Geschichte Barmens.

Hier auf unserer Webseite vertiefen wir die Inhalte dieser Ausstellung und geben Ihnen weitere interessante Informationen zum Thema!

Bitte klicken Sie die nachfolgenden Tabellenreiter an für weitere Informationen.

Aktuelles von den Suchschachtungen

Aktuelles von den Suchschachtungen

Grundlage der archäologischen Untersuchung

Arbeitsfoto mit Suchschachtung AF St. 102 (S3) (Blick nach ONO) ©LQ Archäologie

Die Ergebnisse der Grabungsmaßnahmen, die zwischen dem 13.11.2023 und dem 31.01.2024 durch die Fachfirma „Archäologen Quenders, Linnemann und Partner“ durchgeführt wurden, liegen vor.

Betreut und initiiert hatten die Maßnahme die Untere Denkmalbehörde Wuppertal sowie das LVR Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR). [1] Ziel der Grabungen war es zu ermitteln, ob und welche archäologischen Befunde im Boden vorhanden sind und ob sich daraus Anpassungen der gepanten Baumaßnahmen zur Erneuerung des Werts ergeben.

Die Befunde

ABK mit den untersuchten Bereichen (rot).

Die Erhaltungsbedingungen in den einzelnen Suchschächten waren unterschiedlich. Teils war keine archäologische Substanz vorhanden (Sondagen 1, 4 und 9), teils waren die Befunde stark gestört (Sondage 2). Gute bis sehr gute Erhaltungsbedingungen fanden sich trotz Überprägung (Baumaßnahmen neueren Datums) und Störungen (durch Leitungen) in den Sondagen  3, 5/6, 7, 8, 10, 11 und 12.

Insgesamt fanden sich darin:

  • 19 definierte Baubefunde (Mauern).
  • 41 Erd-, Kultur- bzw. Schuttschichten sowie natürlich entstandene Schichtbildungen.
  • Ein möglicherweise als Pfostenstellung zu interpretierender Befund (St. 59).
  • Eine Grube, (eventuell auch Pfostengrube) zu deutender Befund (An St. 107).
  • Eine historische Baugrube (St. 121).

Bild rechts: Übersichtskarte der Sondagestellen (Suchschachtungen) [2]

Die Ergebnisse

Die Positionen der Baubefunde decken sich weitestgehend mit der tradierten Bebauung, die anhand von Plan- und Kartenmaterial seit dem 18. Jahrhundert bzw. spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts nachvollziehbar ist.

Eine Abweichung zeigte sich in Sondage 3. Der dort gefundene Fundamentzug weicht etwas stärker von der weiter nördlich liegenden Kartierung der einstigen Bebauung ab. Insgesamt gibt der derzeitige Befund aber keinen Anlass, um eine unbekannte Bebauungsphase in dem Bereich anzunehmen. Von allen Suchschachtungen stimmt allein die Befundlage in Sondage 8 möglicherweise nicht mit der überlieferten Bebauungslinie überein. Ob der Befund weitere Maßnahmen rechtfertigt bleibt abzuwarten, ist aber eher unwahrscheinlich.

Insgesamt ist nach jetziger Einschätzung anzunehmen, dass bei weiteren Maßnahmen im Bereich der sondierten Abschnitte keine neuen Erkenntnisse zutage treten. Eher wird sich die dokumentierten Fundlage fortsetzen und weitere archäologische Hinweise auf die neuzeitliche Besiedlung und Bebauung des Werths zeigen.

Dies wird auch durch die in den Suchschachtungen gefundenen Keramikscherben unterstützt. Sie bilden den Zeitraum des 17. bis 19. Jahrhunderts ab. Das spricht dafür, dass im untersuchten Bereich weder mittelalterliche noch vollkommen unbekannte Besiedlungsspuren gefunden wurden.

Insgesamt sieht es damit sehr gut aus für eine rasche Aufnahme der Umbaumaßnahmen ohne böse Überraschungen.

 

Quelle: Abschlussbericht zur archäologischen Sachverhaltsermittlung in Wuppertal-Barmen, Werth im Auftrag der Stadt Wuppertal, OV 2023/1094, Joanna M. Lipinska M.A. und Thorsten Quenders M.A., Februar 2024, Besonders S. 4 und S. 61

Weitere Informationen zu Archäologischen Grabungen und deren Anforderungen unter: https://bodendenkmalpflege.lvr.de/de/service/grabungsrichtlinien/grabungsrichtlinien_1.html

Autorin: Melody Kusserow

[1] Die amtliche Aktivitätsnummer für diese Maßnahme lautet OV 2023/1094.
[2] Grundlage: https://www.tim-online.nrw.de/tim-online2/.

Erste Erkenntnisse aus den Suchgrabungen

Insgesamt sind 12 Suchschachtungen geplant. Diese sind dem nebenstehenden Tab zu entnehmen. Die Suchschachtungen werden in der zeitlichen Taktung so angegangen, dass möglichst wenige Störungen auf dem Werth entstehen.

Die Grabungen an den Stellen 4, 5, 6, 7, 8 und 12 sind bereits erfolgt. Aktuell wird die im Plan dargestellte Suchschachtung 9 bereits wieder verschlossen. Die Archäologen befinden sich zur Zeit an Position 3 (Hausnummer 12). Somit stehen noch die Suchschachtungen 1 und 2 und eventuell noch eine zusätzliche Suchschachtung zwischen Position 9 und 10 aus.

Leitungen als Herausforderung bei der Grabung. Foto: LQ Archäologie

Mittlerweile sind zwei Monate seit Beginn der archäologischen Maßnahmen vergangen und erste Erkenntnisse aus den erfolgten Suchschachtungen liegen vor.

Vielfach erschwerten Leitungen der WSW eine Untersuchung der Standorte. Weitere Standorte waren durch frühere Baumaßnahmen bereits gestört, so das sich kein oder nur ein sehr geringer Erkenntnisgewinn ergab. Allgemein ist die Fundlage jedoch gut.

Interessante Standorte sind insbesondere die Suchschachtungen Nr. 12 ganz in der Nähe der Ausstellung im Werth 91 sowie der Nr. 8 in der Nähe des Rathauses.

Suchschachtung 12 (schräg gegenüber dem Schwebodrom)

Schichten in Suchschachtung Nr. 12, Stelle 3. Hier gelang es um Leitungen herumzuarbeiten. Foto: LQ Archäologie

In der Nähe des Werth 91 wurde die ehemals nördliche Bebauung des östlichsten Werthabschnittes freigelegt. Sowohl der Abgleich mit historischen Karten, so wie begleitende keramische Funde (Pfeifenkopffragmente aus Ton sowie rote glasierte Irdenware) datieren die Fundstelle auf spätestens Ende des 18. Jahrhunderts bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts. Glasierte Irdenware ist eine relativ weiche Keramik, vergleichbar mit nicht winterfester Terrakotta, die durch Glasieren wasserdicht gemacht wurde. In dieser Zeit diente sie vor allem der ärmeren Bevölkerung als Geschirr.

Eine darunter gelagerte Schicht zeigt minimale Spuren von Ziegelbruch und Holzkohle. Das deutet auf eine mittelalterliche (500 n.Chr. – 1.500 n. Chr.) bis neuzeitliche (1.500 n. Chr. – bis Gegenwart) Zeitstellung hin. Aufgrund des Fehlens von Keramik oder anderen aussagekräftigen Funden in dieser Schicht ist eine genauere Datierung leider nicht möglich.

Insgesamt gelang es der hier vorgenommenen Suchschachtung, bis auf das vermutlich eiszeitliche Niveau vorzudringen. Diese Schicht besteht aus ungestörten Sedimentablagerungen der Wupper, die keinerlei menschlichen Einfluss zeigen.

Suchschachtung Nr. 8 (Nähe Rathaus)

Ein Teil der Steinsetzung. Foto: LQ Archäologie

Hier wurde eine gestörte Natursteinsetzung gefunden, bei der es sich möglicherweise um das Fundament eines nicht unterkellerten Hauses handelt.

Der Befund legt nahe, dass es sich ursprünglich um ein größeres Bauwerk handelt. Genauere Aussagen zu dem Bauwerk sind jedoch nicht möglich, da durch Leitungsverlegungen des 19. – 21. Jahrhunderts die Steinsetzung zum Teil abgetragen wurde.

Daneben wurde bei Suchschachtung 8 eine Kulturschicht des 17. – 18. Jahrhunderts angeschnitten, die dank vorhandener Keramikfunde datiert werden konnte.

Was bedeuten die bisherigen Ergebnisse für den Werth-Umbau?

Das in den bisherigen Suchschachtungen gefundene archäologische Material entspricht im wesentlichen den Erwartungen und bestätigt die vorhandenen historischen Karten.

Neue, spektakuläre Funde, die die den geplanten Werthubau infrage stellen bzw. diesen absehbar verzögern, wurden bislang nicht gemacht.

Sofern es einen Konflikt mit einzelnen geplanten Leuchten- oder Baumstandort gibt, wird für diese von den Planern in Abstimmung mit den Archäologen ein alternativer geeigneter Standort gefunden werden.

Die Ergebnisse stammen aus den verschiedenen Protokollen des von der Stadt Wuppertal beauftragten Büros „LQ Archäologie. ARCHÄOLOGEN LINNEMANN, QUENDERS UND PARTNER“ zu den einzelnen Suchschachtungen. Die wesentlichen Erkenntnisse aus den Protokollen wurden von Frau Melody Kusserow, MA, Historikerin/Archäologin im Auftrag von BarmenUrban zusammenefasst .

Nachfolgend drei Übersichtspläne der groben Positionen der Suchschachtungen, die sich an den die Grenzen der vermuteten historischen Bebauung orientieren.

Standorte Suchschachtungen 1 bis 5

Standorte Suchschachtungen 6 bis 8

 

Standorte Suchschachtungen 9 bis 12


Wozu Suchschachtungen?

WERTHSTEIGERUNG für die Zukunft

Der Werth im Lauf der Zeit

Barmen ist wert(h)voll

Der Wert(h) der Archäologie

 

Beiträge auf dieser Webseite zu den Suchschachtungen